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Rezension: „Kleine Finger am Klavier, H.1“ (Hans Bodenmann)

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Kleine Finger am Klavier 1
Kleine Finger am Klavier Bodenmann

Bodenmann Kleine Finger am Klavier

diese Klavierschule mit dem Untertitel „Der neue Weg zum erfolgreichen Klavierspiel“ ist bereits 1972 im Verlag „Edition Melodie“ erschienen und erhält auch heutzutage noch bei amazon.de gute bis sehr gute Bewertungen. somit kann sie sicher als Klassiker bezeichnet werden.

ich finde unter den folgenden Aspekten vieles an ihr sehr gut, manches aber auch verbesserungswürdig:

1. Aufbau

2. Lehrtempo/Lerntempo

3. Auswahl der Stücke

4. Gestaltung

5. Besonderheiten

6. Fazit

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1. Aufbau

der Tonumfang des 1. Heftes beschränkt sich für die rechte und die linke Hand jeweils auf den Fünftonraum, wobei die Daumen beide auf dem mittleren C (c‘) liegen. es ergibt sich dadurch der für Anfänger sehr gebräuchliche Umfang von f zu g‘. die linke Hand ist im Bassschlüssel notiert, die rechte (selbstverständlich) im Violinschlüssel.

die ersten sieben kleinen Stückchen beschränken sich nur auf den Ton c‘, anhand dessen zunächst ganze, dann halbe und zuletzt Viertelnoten eingeführt werden und der in verschiedenen Varianten mal rechts, mal links gespielt wird. darauf folgen weitere acht Stückchen, in denen auch die Zeigefinger auf d‘ und h verwendet werden. dementsprechend werden allmählich auch die anderen Töne, die punktierte Halbe,  der Haltebogen, ganze, halbe und Viertel Pausen und – kurz vor Schluss – auch Achtelnoten eingeführt. Phrasierungszeichen wie Bindebögen oder Staccato gibt es in diesem Heft noch keine. das kann zum Verhängnis werden, wenn der Lehrer hier nicht hilft, Phrasen schön zu gestalten und der Schüler die Notenschrift als bloße Anleitung zum Die-richtige-Taste-mit-dem-richtigen-Finger-Drücken versteht.  die letzte Seite ist ein offiziell und wichtig aussehendes „Diplom“ für das Kind über den erfolgreichen Abschluss des Heftes, das vom Klavierlehrer ausgefüllt wird.

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2. Lehrtempo/Lerntempo

die Klavierschule geht sehr langsam und gründlich vor. sie ähnelt darin der von uns verwendeten Schule und wäre für meinen Großen ganz zu Anfang, also mit knapp fünf Jahren, vom Lerntempo her genau richtig gewesen. zum einen bleibt den Schülern viel Zeit, die neuen Noten zu lernen und den Anschlag der jeweiligen Finger einzuüben, zum anderen sind die Stücke kurz genug, dass man einem schnelleren Schüler auch mehrere auf einmal als Hausaufgabe geben kann. meine Einschätzung ist, dass die Schule für Kinder ab ca. 4 1/2 bzw. 5 Jahren (abhängig vom Schüler vielleicht auch schon früher) bis ca. 7 oder 8 Jahren vom erwarteten Lernfortschritt her sehr geeignet ist und die Kinder etwa ein Jahr lang beschäftigen könnte. ältere Schüler würden sie wohl ziemlich schnell durcharbeiten – doch bei einem Preis von weniger als 10 Euro wird man das vielleicht auch verkraften.

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3. Auswahl der Stücke

die Stücke sind anfangs natürlich im Tonumfang sehr limitiert, aber dennoch gut gelungen und allein durch ihre Titel („Regentröpfchen“, „Soldatenmarsch“) für Kinder motivierend. später im Buch gibt es z.B. auch mal einen Walzer und das eine oder andere amerikanische Lied. da wir eine zweisprachige Familie sind, ist uns allerdings aufgefallen, dass es bei Yankee Doodle nicht, wie es richtig wäre, „Yankee Doodle came TO town“ heißt. das Falsche schreiben wir hier gar nicht hin, damit es sich niemand so einprägt. also: Rotstift zur Hand nehmen und korrigieren, bitte schön.

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4. Gestaltung

hier liegt meines Erachtens die größte Schwäche der Klavierschule. die meisten anderen Lehrwerke haben heutzutage motivierende Bildchen, sind teilweise bunt gestaltet oder haben sogar eine Figur, die die Kinder beim Lernen begleitet. diese Schule jedoch sieht nicht nur von außen brottrocken aus, sondern macht auch innen so weiter. abgesehen von ein paar Fotografien einer Hand, die die gerade zu lernende Taste drückt, gibt es keine Bilder. auch die grauen Kästchen, mit denen Lerninhalte hervorgehoben werden, sind grafisch eher unerfreulich.

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5. Besonderheiten

als Ergänzung und Vertiefung bietet der Verlag vom selben Autor (und ebenfalls von 1972) das Heft „Übung macht den Meister. Kleine Übungen und Spielstücke für den Elementar-Unterricht am Klavier“ an. die hier verwendeten Stücke gefallen mir ganz ausgezeichnet. von Kinderliedern über traditionelle deutsche und ausländische Lieder, bis hin zu einem Kirchenlied sowie „Air“ von Haydn ist alles dabei. natürlich hat der Autor auch wieder einige Stückchen selbst verfasst, die alle sehr melodisch geraten sind. das Übungsheft beginnt gleich mit allen fünf Tönen in jeder Hand, auch wenn zu Anfang im einen oder anderen Lied nicht alle davon vorkommen. damit können die Übungen erst nach der Einführungsphase der einzelnen Töne hinzugenommen werden.
vermisst habe ich bei beiden Heften die Anregungen zum gemeinsamen Spiel, etwa durch eine Begleitstimme für den Klavierlehrer.

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6. Fazit

wem würde ich nun eine Empfehlung für diese Klavierschule aussprechen? ganz klar allen Kindern zwischen 5 und 8 Jahren, die unbedingt Klavier lernen wollen und intrinsisch (also von innen heraus) hoch motivert sind. vom Aufbau sowie der Menge und Art der angebotenen Stücke her ist sie die von mir favorisierte Schule (und ich habe inzwischen sehr viele gesehen).

allerdings gibt es keine Farben, keine sonstigen Lernhilfen, keine motivierenden Bildchen oder Figuren und kein vierhändiges Spiel – es sei denn, man denkt sich als Lehrer selbst etwas aus. wer das Klavierspielen als eigenes Anliegen versucht dem Kind schmackhaft zu machen, könnte mit anderen, neueren Heften bessere Chancen haben. ich bin ja selbst so eine, die ihren Sohn erst einmal ködern musste und bin mir ziemlich sicher, dass es mir mit den „Kleinen Fingern am Klavier“ nicht gelungen wäre.

ich danke dem Verlag „Edition Melodie“ aus Zürich herzlich für die Zusendung der beiden Hefte. mein Großer ist inzwischen am Ende der „Tastenträume“ angekommen und war damit schon beim Erhalt dieser Klavierschule ein bisschen zu fortgeschritten für sie. wir benutzen die Hefte aber öfters zum Vomblattspiel, was ihm Freude macht, da ihm die Melodien gefallen und er die bekannteren der Lieder (besonders im Übungsbuch) beim Spielen wiedererkennt.

die musikalische Tigermama

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