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Täglich singen

23:16
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„solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“

ganz so drastisch habe ich es nicht ausgedrückt, aber im Prinzip weiß zumindest der Große, wie der Hase läuft: bei uns im Haus wird jeden Abend gesungen. natürlich wäre das der Idealzustand, der sich nie ganz erreichen lässt – immerhin gibt es alles mögliche, was unserer abendlichen Routine so in die Quere kommen kann, aber mindestens fünf Abende in der Woche schaffen wir eigentlich immer.

warum ist mir das so wichtig? in meinem musikpädagogischen Studium habe ich von Andreas Mohr gelernt, wie wichtig das Singen für die Entwicklung der kindlichen Musikalität ist. wir werden also nicht in erster Linie „musikalisch“, „unmusikalisch“, mit „gutem“ oder „schlechtem Gehör“ geboren, sondern diese Attribute hängen zu einem wesentlichen Teil von unserem Kontakt mit Musik in den ersten Lebensjahren zusammen. und hier können Radio und CDs nicht das Vor- und gemeinsame Singen ersetzen!

(darüber hinaus ist das Singen im Kindesalter auch wesentlich für die gesamte emotionale und auch kognitive Entwicklung, doch ich muss gestehen, dass mich zu unserer eisernen Singdiszplin vor allem der Aspekt der Musikalität motiviert…. aber natürlich mit dem Hintergedanken, dass ein sogenannter „musikalischer“ Mensch in seinem ganzen Leben davon in seiner Persönlichkeitsentwicklung profitiert.)

schon das Vorsingen im Baby- und Kleinkindalter ist musikalische Früherziehung für das kindliche Gehör und den intuitiven Zugang zur Musik. daraus entwickelt sich dann ganz natürlich das gemeinsame Singen mit den Kindern.

zumindest sollte es so sein.

allerdings hatte der Große in seiner Sprachentwicklung sehr mit der Mundmotorik zu kämpfen und dadurch sehr spät verständlich gesprochen. normale Lieder waren ihm schlichtweg zu schnell – seine Lippen, Zunge und die ganze Planung der Bewegungsabläufe hinkten zu sehr hinterher, so dass er sich lange Zeit kategorisch gegen das Singen weigerte. erst mit etwas über drei Jahren hörte ich von ihm den ersten Singversuch überhaupt: „Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald“, alle drei Strophen. lange Zeit war dies dann das einzige Lied, das er bereit war zu singen. später kamen „Der Mond ist aufgegangen“, „Backe, backe Kuchen“ und „Schlaf, Kindlein, schlaf“ dazu.

also sangen wir allabendlich eins, zwei oder alle dieser Lieder und das war oft ein Kampf. er fand es noch immer schwierig, das Sprechen im vorgegebenen Rhythmus zu organisieren und hörte wohl auch, dass er mit seiner Tonlage meist ziemlich daneben lag (ich habe nie etwas gesagt). also alberte er herum, um von seinem Gefühl der Überforderung und Unsicherheit abzulenken. ich habe ihm immer wieder gesagt, „Mama singt gern und bitte tu das für mich. ich finde es so schön, wie du singst. tagsüber spiele ich mit dir, das tue ich für dich, und am Abend sing du bitte mit mir.“ ich wusste auch, dass ihn die Musik trotz allem innerlich sehr berührte, da er, wenn er sich mal dazu durchgerungen hatte, beim Singen oft ganz melancholisch und verträumt wurde. das gab mir dann Mut, eine musikalische Tigermama zu sein und zu bleiben.

mittlerweile (mit 4 1/2) singt er sehr schön.

früher habe ich ihn jedes Lied anstimmen lassen, da ich dann in seiner selbst gewählten Tonlage mitsingen konnte und er nicht erst die Töne suchen musste. inzwischen trifft er die Töne auch, wenn ich anfange.

im Kindergarten, in den er seit zwei Monaten geht, versucht er sich jetzt an Bewegungsliedern. seit mir klar wurde, dass seine praktischen Schwierigkeiten da wieder im neuen Gewand aufgetaucht sind, singen wir nun auch zu Hause mehr mit Händen und Füßen. die Bewegungen, die für normale Kinder eine Unterstützung beim Liederlernen und -singen sind, bedeuten für ihn, dass er zusätzlich zu dem Programm, das er mit seinem Mund durchführen muss, noch ein zweites oder drittes unabhängig davon ausführen soll. ich stelle es mir vor wie beim Klavierspiel, wenn zur rechten Hand die linke kommt. wir haben Bewegungen und Lied getrennt geübt und später zusammengesetzt und jetzt klappt es.

der Kleine ist ein Plappermaul und kennt überhaupt keine praktischen Probleme.

entsprechend singt und tanzt er gern und ohne Hemmungen. „Singen“ in seinem Sinn heißt, ab und zu ein paar Worte ins Lied hineinzurufen (manchmal passend, manchmal weniger) und die Stimme freudig und willkürlich nach oben und unten zu modulieren. er ist nun fast 23 Monate alt.

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