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Rezension: 1 2 3 Klavier (Claudia Ehrenpreis/Ulrike Wohlwender)

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mit den Worten „1 2 3 Klavier ist eine Klavierschule für 6- bis 10-jährige Kinder, die sowohl für den Gruppen- als auch für den Einzelunterricht gedacht ist“ beginnt diese Klavierschule ihr Vorwort.

123 Klavier Heft 1
damit ist die Schule für Grundschüler und damit eine „deutlich“ ältere Zielgruppe als meine beiden Tigerjungen konzipiert (in dem Alter werden sie ja jeden Monat weiser und gescheiter), die mit fast 5 bzw. mit 3 1/2 Jahren mit dem Klavierspielen angefangen habe. es war daher nicht ganz einfach für mich, den Gedanken „Was, das sollen die alles gleich am Anfang schon können?“ beim ersten Durchsehen immer wieder wegzuwischen, aber als ich an meine eigenen Klavierschulen vor 35 Jahren dachte („Klavierfibel“, „Kinderland“, „Der junge Pianist“, „Der praktische Czerny“ etc.), wurde mir klar, dass „kind“ das schaffen kann.

1 2 3 Klavier ist dennoch keine „alte Schule“. im Gegenteil, sie ist durchgehend sehr modern gestaltet. so wird auf den ersten 14 Seiten erst einmal mit Rhythmen, Klängen, grafischer Notation und eigenen Kompositionen experimentiert.

danach geht es „richtig los“ mit den Noten – aber hierzu mehr unter folgenden Unterpunkten:

1. Aufbau

2. Lehrtempo/Lerntempo

3. Auswahl der Stücke

4. Gestaltung

5. Besonderheiten

6. Fazit

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1. Aufbau

nachdem sich die Kinder wie oben erwähnt auf verschiedenen Wegen mit dem Klavier vertraut gemacht haben, werden auf Seite 20 gleich alle 9 Noten im Fünftonraum beider Hände (f bis g‘) eingeführt. auf den nächsten beiden Seiten finden sich 7 jeweils zweitaktige Stückchen, in denen überwiegend bereits mit beiden Händen gleichzeitig gespielt wird. anschließend kommt noch ein 8-taktiges Liedchen im besprochenen Tonumfang, bevor bereits auf Seite 25 in der linken Hand auch die restlichen Töne hinunter bis zum kleinen c verwendet werden. das Buch selbst erklärt hier zu den neuen Tönen nichts, außer dass die Kinder sie selbst auf Seite 20 (der Referenzseite, wo bereits die anderen Noten standen) eintragen sollen.

auf S. 30 startet die rechte Hand auf d‘ statt auf c‘ und spielt dementsprechend bis hinauf zum a‘. danach werden Stück für Stück immer wieder neue Noten in der rechten Hand eingeführt, die linke bleibt bei ihrer Oktave als Tonumfang. S. 39 lüftet „Das Geheimnis der schwarzen Tasten“ (so lautet die Überschrift) – und zwar sämtlicher schwarzer Tasten auf einmal, Kreuze und b’s, inklusive aller Notennamen. zwischendurch gibt es dann wieder eine Doppelseite mit grafischer Notation (S. 46f), danach vermehrt Akkorde und schon ist der erste Band geschafft. die letzten Seiten (58-62) dienen zum Nachschlagen zu Notenwerten, Taktarten, Tonhöhen und Tonnamen, Lautstärke und Tempo.

was hat das Kind am Ende des ersten Bandes nun alles gespielt? Noten hinauf bis zum f“ und hinunter bis zum A (das H wird aber noch ausgelassen), Bordun, Cluster, Akkorde, Notenwerte von der ganzen bis zur Achtelnote, punktierte Noten, 6/8 Takt, moderne und traditionelle Melodien, und Begleitung zum eigenen Gesang (S. 55).

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2. Lehrtempo/Lerntempo

das Tempo der Schule ist technisch für die Zielgruppe der 6 bis 10-Jährigen angemessen. an die kognitiven (=intellektuellen) Fähigkeiten werden jedoch hohe Ansprüche gestellt, da zu Beginn viele Noten und Notenwerte auf einmal bewältigt werden müssen. hierzu erklärt der sehr ausführliche Lehrerkommentar, warum die Autoren dies für vertretbar halten: jedes „Themenbild“ soll nach einem Schema gegliedert erarbeitet werden, indem die Schüler einzelne Abschnitte stets nach Gehör nachspielen sollen, bevor die Noten den Abschnitten zugeordnet werden. es soll also NICHT „vom Blatt gelesen“ werden. erst wenn die Schüler nach Gehör gespielt haben, dienen die Noten als Gedächtnisstütze.

will man diesen Ansatz konsequent berücksichtigen, so werden auch an Gehör und Merkfähigkeit (sowie Singfähigkeit und -willen, Mut, Extrovertiertheit etc.) der Kinder hohe Ansprüche gestellt. ein Schüchterner, Zurückhaltender wie mein Großer wird sich hiermit wahrscheinlich (unüberwindbar?) schwer tun, einem Experimentierfreudigen wie dem Kleinen kommt es wohl eher entgegen.

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3. Auswahl der Stücke

die Schule bietet einen Mix aus traditionellen und modernen Liedern, wobei der Schwerpunkt aber auf den modernen, von den Autoren selbst erfundenen liegt. Titel wie „Tanz der wilden Pferde“, „Affenschaukel“, „Die swingenden Elefanten“ oder „Hupkonzert“ sind vielleicht aussagekräftiger, als wenn ich jetzt versuchen würde, die Stücke zu beschreiben. gerade für die etwas ältere Zielgruppe sind sie sehr motivierend, wie es auch die Rezensionen dieser Klavierschule bestätigen.

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4. Gestaltung

für die Aufmachung des Heftes gebe ich eine glatte 1 mit Stern. Querformat, großer Notensatz, durchgehend bunte, schön gemalte Bilder, sehr übersichtlich – so soll es sein!

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5. Besonderheiten

die Klavierschule besteht aus Heft I und Heft II.1 2 3 Klavier Heft II meine Rezension bezieht sich auf den ersten Band, jedoch folgt der zweite dem gleichen Konzept. hier werden Tonumfang und technische Fähigkeiten erweitert, die Seiten sind im Hochformat und mit kleineren Noten gedruckt und Stücke sind natürlich insgesamt schwieriger, stammen aber eindeutig aus derselben Feder. wem der erste Band gefallen hat, der wird auch den zweiten mögen.
Heft I wird mit CD geliefert. außerdem gibt es zu beiden Heften je einen ausführlichen Lehrerkommentar, in dem klar wird, dass zu einer Unterrichtsstunde viel mehr gehört, als das Heft aufzuschlagen und die Noten zu spielen. der Lehrerband gibt außerdem viele Anregungen für den Gruppenunterricht mit bis zu vier Kindern.

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6. Fazit

für Kinder mit guter musikalischer Begabung ist dieses ganzheitliche auf die musikalischen Fähigkeiten bezogenen Vorgehen sicher die Methode der Wahl.

Vorsicht sei angeraten in folgenden Fällen:

  •  wenn das Kind sich am unteren Ende der Altersgruppe befindet und noch recht verspielt oder unkonzentriert ist. hier würde ich eine langsamer vorgehende Schule empfehlen (z.B. die „allerersten Tastenträume“ von Terzibaschitsch, oder eine andere der Klavierschulen für kleine Kinder)
  • wenn das Kind schüchtern, zurückhaltend oder gehemmt ist, nicht gern singt oder Schwierigkeiten hat Melodien zu behalten. auch in diesem Fall würde ich auf eine Schule ausweichen, die sich mehr am Notenlesen orientiert als am Spielen nach Gehör. bei älteren Kindern kann m.E. trotzdem diese Schule verwendet werden, aber der Lehrer müsste seine Methodik auf den Schüler einstellen und ihm erlauben, gleich nach Noten zu spielen anstatt zunächst nach Gehör.

kurz und gut: eine tolle, vielseitige, motivierende Klavierschule für Kinder ab ca. 8 Jahren sowie jüngere mit musikalischer Vorbildung oder offensichtlicher Musikalität.

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ich danke dem Verlag „Breitkopf & Härtel“ aus Wiesbaden herzlich für die Zusendung der beiden Hefte und der Lehrerkommentare.

die musikalische Tigermama

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